Vom Präsenz-Dozent zum Teletutor (eTrainer)

Der zunehmende Einsatz Virtueller Räume im E-Learning zur ortsunabhängigen Live-Betreuung von Lernenden steigert den Bedarf an Teletutoren. Entsprechend werden business_woman_photocaseimmer mehr Weiterbildungen zum Teletutor angeboten. Ist aber eine Ausbildung zum Teletutor nötig, wo doch die Anbieter Virtueller Räume leichte Bedienbarkeit zugunsten eines effektiven Unterrichts versprechen?
Worin unterscheidet sich also die Vermittlung von Wissen im Virtuellen Raum von der in Präsenzveranstaltungen?

Didaktische und kommunikative Unterschiede zwischen Präsenz- und Virtuellen Unterricht

Der entscheidende Unterschied zum Virtuellen Unterricht ist, dass Dozent und Teilnehmer nicht in unmittelbarem Kontakt stehen, sie haben mittelbare Live-Verbindung durch Audio, Video, Chat usw. Damit ist es dem Dozenten nicht möglich, wie im Präsenzunterricht mit einem einfachen Blick über die Klasse festzustellen, wer nicht nur körperlich, sondern auch geistig anwesend ist, bzw. wer aktiv mitarbeitet.

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Gerade dieses Handicap gilt es durch entsprechende Kommunikationstechniken zu kompensieren. Hierzu stehen in den Virtuellen Räumen beispielsweise Abfrage-Tools zur Verfügung, wie Handheben, Feedbackabfragen (Polling) oder Verständnisfragen, bei denen die Teilnehmer mit einem einfachen Klick auf gezielte Fragen antworten können. Im Gegensatz zum Präsenzunterricht sollten diese einfachen Abfragetechniken wesentlich häufiger eingesetzt werden, um laufend einen Eindruck über die aktive Mitarbeit der Teilnehmer zu haben bzw. um festzustellen, ob alle Teilnehmer den Ausführungen noch folgen können.

Ebenso häufig sollten Techniken wie Whiteboard (elektronische Tafel) oder Application Sharing eingesetzt werden, in denen die Teilnehmer zur interaktiven Mitarbeit eingeladen werden. Dadurch erkennt der Dozent, welche Verständnisprobleme möglicherweise bei den einzelnen Lernenden noch vorhanden sind. Dies dient auch den Lernenden selbst zur Orientierung "wo stehe ich mit meinem Erkenntnisgewinn?" sehr wichtig, da sie motiviert bleiben auch wenn es Verständnisprobleme gibt, da die Mitschüler häufig die gleichen Probleme haben. Bei asynchronen Lösungen (z. B. WBTs) fehlt dieses Feedback, weshalb sich oft Lernfrust bei Teilnehmern einstellt.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass eine höhere aktive Einbeziehung der Lernenden in den laufenden Unterricht ein entscheidendes Merkmal Virtueller Unterrichte ist. Dem Teletutor fällt somit mehr eine Rolle als Moderator zu, er wird die Rolle des Vortragenden auf das notwendige Maß beschränken.

Wer eignet sich als Teletutor?

Erfahrungsgemäß kann tatsächlich fast jeder, der qualitativ anspruchsvollen und interessanten Präsenzunterricht zu gestalten weiß, auch effektive und erfolgreiche Schulungen in Virtuellen Räumen durchführen. Lediglich zwei Typen von Dozenten haben bei den ersten Sitzungen Umgewöhnungsprobleme:

Der Typ, der es gewöhnt ist, mit ausdrucksstarker Körpersprache seine Teilnehmer in den Bann zu ziehen, wird bei seinen ersten Sitzungen den persönlichen Kontakt zu den Lernenden missen. Aber auch hier zeigt sich, dass es diesen Dozenten nach kurzer Eingewöhnung gelingt, Ihre Ausdruckskraft von der physischen zur verbalen und interaktiven Ebene zu verlagern und so ihre Teilnehmer gleichermaßen in Bann ziehen können.

Einschränkungen in der Durchführung Virtueller Unterrichte verspüren auch diejenigen, die es gewöhnt sind Ad-hoc-Unterrichte ohne große Vorbereitungen und durch spontanes Umstellen eines laufenden Unterrichts durchzuführen. Dies ist zwar im Virtuellen Raum auch möglich, hat aber zwei Nachteile:
Erstens verlieren die Teilnehmer leicht den Faden, wenn der Dozent spontan das vorgegebene Thema verlässt. Zweitens ist die spontane Aufbereitung von notwendigen Unterlagen während des Virtuellen Unterrichts wegen der dadurch auftretenden Pausen kaum möglich.

Der Dozent also, der seinen Unterricht mit klarem Ablauf und allen erforderlichen Unterlagen plant und durchführt, ist vom didaktischen Gesichtspunkt her als Teletutor im Virtuellen Raum geeignet.

Sicherlich haben Stimme, Sprachfluss und Phonetik der Teletutoren einen höheren Stellenwert, aber auch hier zeigt sich, dass sich Dozenten auch in dieser Hinsicht meist automatisch und schnell dem Medium anpassen und auf klaren Satzbau sowie deutliche Aussprache achten.

Teletutor ist keine Kunst, muss aber gelernt werden.

Die Weiterentwicklung zum Teletutor stellt für Dozenten also technisch wie didaktisch selten ein Problem dar. Neben der technischen Bedienung des Virtuellen Raums stehen die didaktische Planung, das heißt die Planung der Unterrichtsabläufe und der verschiedenen Vermittlungsphasen, des Vortrags, der Interaktivität, der Gruppenarbeit und der Evaluierung des Transfererfolgs auf dem Stoffplan künftiger Teletutoren.

Einmal mit Umgang und den Möglichkeiten des Virtuellen Raums vertraut gemacht, konnten sich nach unserer Erfahrung fast alle Dozenten schnell an die virtuelle Lernumgebung gewöhnen und sich somit auf die Inhalte und deren Vermittlung konzentrieren.

Häufiges Defizit angehender Teletutoren sind die fehlenden Erfahrungen als Lernende in Virtuellen Räumen. Als Dozenten in Präsenzunterrichten verfügen sie natürlich über langjährige Erfahrungen als Schüler oder als Erwachsene in der Ausbildung, die sie in Aufbau und Durchführung des Unterrichts einfließen lassen können.

Aus diesem Grund hat der praktische Einsatz des Virtuellen Raums bei einer Teletutorschulung einen bedeutenden Stellenwert. Im Idealfall werden dabei die Inhalte zwar vor Ort, aber verteilt auf verschiedene Räume vermittelt. So erhalten Teletutoren ihre ersten Erfahrungen, wie Lernende Virtuelle Unterrichte erleben und Wissen aufnehmen. Zum Ende ihrer Ausbildung nehmen Teletutoren an so genannten Test-Seminaren ihrer Kollegen teil und erleben unterschiedliche Unterrichtsstile und Techniken zur Wissensvermittlung und sammeln selbst die ersten praktischen Erfahrungen in der Unterrichtsdurchführung.

Bei der Auswahl von Angeboten zur Teletutorausbildung ist deshalb darauf zu achten, dass neben den theoretischen genügend praktische Module in der Ausbildung enthalten sind und nicht lediglich der Umgang mit der Software vermittelt wird.

Informationen:
Wenn Sie zu der Zielgruppe der "Erwachsenenbildner" gehören (im Bereich der Erwachsenenbildung tätig; angestellt oder freiberuflich), ist u.U. eine Förderung durch die EU möglich! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!